In Polen joggt man nicht

Holocaust. In ihrem ambitioniertesten und dicksten Roman versucht Lilly Brett das Genre des Konversationsromans an die Erfahrung der Judenvernichtung heranzuführen und kann damit nur scheitern.

Extra | Tobias Heyl | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Was Lily Brett in ihrem neuen Roman auf respektablen 655 Seiten erzählt, lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Ruth Rothwax, den Heldinnen früherer Brett-Romane sehr ähnlich, trifft sich mit ihrem, Brett-Lesern bestens vertrauten Vater Edek in Polen. Sie kommt aus New York, er aus Australien; er soll seiner Tochter noch einmal die Orte seiner Jugend und seiner Lebenskatastrophe zeigen: die elterliche Wohnung und das Ghetto in Lodz und das Vernichtungslager Birkenau, das er gemeinsam mit seiner Frau überlebt hat. Die Tochter kam, auch da erzählt Brett autobiografisch, nach dem Krieg in Bayern in einem Lager für Displaced Persons zur Welt. Ihr ist die ursprüngliche Heimat der Familie fremd.

Es war ihr Wunsch, nach Polen zu reisen, der Vater willigte nur zögerlich ein. Belastet mit all den Schuldgefühlen, die die Überlebenden und Nachgeborenen der Shoa ein Leben lang nicht los werden, wollte sie den Schreckensort sehen, dem ihre Eltern entkommen sind. Die Reise gerät zum


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