Mitleid mit Eichmann

Lyrik. Man kann nach Auschwitz gewiss noch Gedichte schreiben. Lilly Brett, Robert Schindel und Michael Hamburger zum Beispiel haben es getan. Ob dabei verplapperter Todeskitsch oder Weltliteratur entsteht, ist eine Frage der eingesetzten Mittel.

Extra | Erich Klein | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Die Dichtung über den Holocaust enthalte zu viele "Gräber in den Lüften", sagte Raul Hilberg, der Historiker der Vernichtung der europäischen Juden, einmal. Ihr Erkenntniswert halte sich in Grenzen. Und Paul Celan, mit diesem Genre der Dichtung ziemlich vertraut, schrieb in "Blatt, baumlos, für Bert Brecht": "Was sind das für Zeiten, in denen ein Gespräch über Bäume ein Verbrechen ist, weil es soviel Gesagtes miteinschließt." Man muss es nicht unbedingt als Verbrechen ansehen, wenn in der immer umfangreicher werdenden Literatur zum Holocaust neben Aufklärung viel Leertext gesprochen wird, manche Beispiele sind in ihrer Plapperhaftigkeit allerdings besonders penetrant.

Die 1946 in Deutschland geborene, 1948 nach Australien ausgewanderte und heute in New York lebende Lily Brett, Tochter zweier Holocaustüberlebender, ist ein derartiger Fall. Die Lektüre ihrer "Auschwitz Poems", ein Zyklus aus 59 kurzzeiligen Gedichten über Leben und Überleben der Mutter im Konzentrationslager,


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