Ein fröstelndes Pferd

Epitaph. Friederike Mayröckers "Requiem für Ernst Jandl" gibt Aufschluss über ein Zusammenleben, das in der Weltliteratur nicht seinesgleichen hat.

Extra | Wendelin Schmidt-Dengler | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Diese Schrift lässt sich nicht "ankündigen" oder gar "besprechen": Sie entzieht sich nicht nur durch ihren traurigen Anlass, sondern auch als literarische Form, in ihrem elegischen Grundton, dem wertenden Vokabular. Und doch sollten Worte gefunden werden, die dem Text mit der Dezenz begegnen, die ihn auszeichnet: "Wo deine Seele blutet, sagt Elke Erb, wie solltest du da nicht Worte finden, sagt Elke Erb, zwischen Mongolei Melancholie Monochromie und grünen Passanten, sendet er dir nicht die Fülle von freundlichen Seelen dass sie rund um dich, ich meine dich in einem Halbkreis, dir die Hände halten."

Und so findet Friederike Mayröcker auch Worte, die trotz des Schmerzes, der sie begleitet, nie der klaren Sicht auf die Dinge entraten, die alles deutlicher und lebendiger und auf unpathetische Art freundlicher macht: die Schuhe in den Regalen, das Gewand, die Schirmkappe, die Brille und das Schweizermesser.

Das Buch besteht vor allem aus zwei etwas längeren Prosastücken, von denen eines,


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