Kosmosekstase in der U-Bahn

Debüt. Mit ihren "Liebesgeschichten" riskiert Rosemarie Poiarkov einiges, verliert vieles und lässt hoffen. Am Ende aber sind sogar die U-Bahn-Benutzer glücklich.

Extra | Klaus Nüchtern | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Als "Liebesgeschichten" sind die zwölf Stories ausgewiesen, die Rosemarie Poiarkov in ihrem Debüt unter dem Titel "Eine CD lang" versammelt hat. Und doch wird in der Titelgeschichte schon mit dem ersten, in der Folge etwas penetrant variierten Satz die Paradoxie dieses Unterfangens festgehalten: "Ich möchte eine Liebesgeschichte erzählen, aber es gibt keine Geschichten mehr über die Liebe." Warum eigentlich? Dass die Sache mit dem jungen Mann, den die Icherzählerin in einem Lokal (allem Anschein nach dem Flex) aufgabelt, "keine Liebesgeschichte", sondern "die Beschreibung eines ganz normalen One-Night-Stand" ist, wie dem Leser überflüssigerweise noch ausgedeutscht wird, dürfte klar sein. Aber dann gibt es ja noch den fernen Geliebten, der ihr am Grab der Mutter die Hand gehalten hat. Der fehlt ihr jetzt. "Aber ich weiß ja, dass immer etwas fehlen wird. Das ist der einzige Satz, der mir einfällt, der aus einer Liebesgeschichte stammen könnte, die sich vor Jahren ereignet hat."


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