Lob der Tiefkühltruhe

Kulturgeschichte. Der deutsche Publizist Ulf Poschardt schreibt in seiner eigenwilligen Abhandlung über den Begriff "cool" von der Erkaltung der Welt. Und über mögliche Strategien, daraus Lust zu beziehen.

Extra | Karin Cerny | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Die erste Geburt des "Cool" fand in den Zwanzigerjahren statt. Als Marcus Garvey, früher Kämpfer für die Rechte der Schwarzen in den USA, seinen Anhängern "Keep cool!" zurief, vermittelte er nicht nur eine Haltung, mit der es einem möglich wurde, das bestehende Elend in Würde auszuhalten, weil man sich seine Verletzung nicht anmerken ließ. "Keep cool" signalisierte auch, dass man sich so weit unter Kontrolle hatte, um jederzeit gezielt zuschlagen zu können: "Coolness" als Waffe.

Ästhetisch - im Sinne von vorzeigbaren Posen, die innere Haltungen transportieren - wurde "Cool" erst in den Fünfzigerjahren geboren. Es waren vor allem die Musiker des Cool Jazz, die ihre Emotionalität herunterdimmten und zu einer neuen Form der Zurückhaltung fanden, die der Musik nicht mehr die Aufgabe überantwortete, von den Gefühlen ihres Produzenten zu erzählen. Die Musik, die Chet Baker spielte, "fühlte sich von ihm verlassen", schreibt der Schriftsteller Geoff Dyer.

"Cool", so viel ist offensichtlich,


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