Interview mit Ulf Poschardt: "Cool braucht keinen Rebirth"

Extra | Interview: Karin Cerny | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Falter: Wie kamen Sie dazu, ein Buch ausgerechnet über "cool" zu schreiben?

Ulf Poschardt: Der erste Impuls ist naturgemäß schwer zu identifizieren, entspringt aber möglicherweise einer schon frühkindlichen Begeisterung für kahle Räume, leere Wände und elektronische Musik. Die mit diesen ästhetischen Phänomenen verknüpfte negative Zuschreibung wurde von mir nicht geteilt. Entfremdung als Kälte und Anonymität konnte auch - so schien es mir - Freiheit und das de-soziale Unbehelligtsein bedeuten. "Cool" war die Haltung, die sich sowohl in der Kälte auskannte als auch zu ihr eine pragmatische Distanz einnahm. Es war das Ansinnen, eine lässige, resistente Haltung zu den Eiswinden der Entfremdung einzunehmen: in ihnen zu segeln, mit und gegen den Strom.

Ist "Coolness" individuell und egoistisch zu denken, oder gibt es auch ein "cooles" Wir?

"Cool" ist weitgehend de-sozial. Solidarisierungen sind Torsi, die eher von der Melancholie und dem Autismus der Vereinzelung her gedacht und


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige