Sapphone verzählt

Geschichte & Mythos. Der französische Altertumshistoriker Jean-Pierre Vernant hat die griechischen Sagen für seine Enkel neu erzählt. Nicht nur aufgrund der deutschen Übersetzung ist das Projekt gescheitert.

Wendelin Schmidt-Dengler | Extra | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Die Mythenkonjunktur hält an: Das Fernsehen hat Odysseus und Herkules wiederentdeckt, und das einschlägige Angebot auf dem Buchmarkt ist beachtlich. Offenkundig will jede Epoche die alten Sagen neu erzählt haben: Unsere Urgroßeltern lasen den biederen Gustav Schwab, unsere Kinder hören die sonore Stimme Michael Köhlmeiers. Das Interesse an den mythischen Stoffen hat sich nie an den großen Dichtungen selbst entzündet, sondern meist an deren Nacherzählungen. Goethe, Grillparzer und Kleist holten sich ihre Stoffe vorzugsweise aus Benjamin Hederichs "Gründlichem mythologischen Lexikon", und auch heute greift kaum jemand zu den Quellen.

Für so ein Buch müsste gerade jetzt die Nachfrage groß sein, hat man sich wohl im DuMont-Verlag gedacht, zumal dann, wenn der bedeutende französische Altertumskenner Jean-Pierre Vernant (Jg. 1914) uns seine Fassung der klassischen Sagen bietet - und zwar so, wie er sie seinem Enkel erzählt hat. Stolz verkündet der Klappentext: "Seine griechischen

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