Hauptstadt der Provinz

Wiener Moderne. Ein zweibändiger Reader korrigiert Klischees über die geistige Blütezeit Wiens untergründige Einflüsse der Populärkultur frei.

Extra | Matthias Dusini | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Vor genau 73 Jahren, im März 1928, kam die afro-amerikanische Tänzerin Josephine Baker zu einem Gastspiel nach Wien. Bereits im Vorfeld wurde ihr Auftritt zu einem Medienereignis. Vom "Negerskandal" sprach die Deutsch-österreichische Tageszeitung. Und die christlichsoziale Reichspost fragte beschwörend: "Josephine Baker mit dem Bananenschurz, nach wildtrunkenen Negerweisen tanzend, in der Stadt Schuberts, Strauß' und Beethovens, ist es nicht ein letztes Haltsignal vor der Fahrt ins Weite, Unermessliche des Abgrunds?"

Der Wiener Kulturwissenschaftler Roman Horak referiert in seinem Beitrag zum zweibändigen Reader "Metropole Wien. Texturen der Moderne" die Vorgeschichte und das Medienecho von Bakers Gastspiel. Stellvertretend für eine Reihe von Untersuchungen, die sich mit Literatur, Urbanistik und der Ausbreitung von Popularkultur beschäftigen, kommt Horak zu einem Befund, der das in den Achtzigerjahren geprägte Bild einer selbstreflexiven, in den geistigen Produkten von Ludwig Wittgenstein


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