Das Phantom der Arbeit

Soziologie. Mitte der Neunzigerjahre machte der US-amerikanische Ökonom und Publizist Jeremy Rifkin die These vom "Ende der Arbeit" populär. Der Nachruf war verfrüht. Die Totgesagte entpuppt sich als Wiedergängerin in neuem Gewand.

Extra | Fritz Betz | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Arbeit. Das war die zentrale Sinn stiftende Instanz der Moderne. In den philosophischen Anstrengungen des Industriezeitalters erscheint sie stets mit einem Doppelgesicht: einmal als Metapher für die Gewalttätigkeit des zivilisatorischen Prozesses, dann wieder als Losungswort für die Selbstverwirklichung des Menschen. Ihr hässliches Antlitz wurde vor allem dort thematisiert, wo die Permanenz der gesellschaftlichen Krise als historischer Ausnahmezustand wahrgenommen wurde.

Paul Lafargue, Karl Marx' Schwiegersohn, wählte als Exponent der Arbeiterbewegung noch vorsichtigerweise den Umweg der Satire, um zu bekennen, dass er die Arbeit für die "schrecklichste Geißel" hält, welche je die Menschheit getroffen". Friedrich Nietzsche hingegen war es bitter ernst, wenn er im Visavis der Industrie, einer virulenten Rationalisierung und Bürokratisierung, gegen eine moderne Sklavenmoral anschrieb und vermerkte, dass harte Arbeitsamkeit "die beste Polizei ist, dass sie jeden im Zaume hält und


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