Was wär Berlin ohne Bär?

Stadtrundgang. Berlin ist ebenso sexy wie geschichtsträchtig. Ohne Erinnerung kommt man kaum bis ans nächste Eck. Die Literatur hilft, sich zurechtzufinden. Ein Spaziergang durch das auch literarisch boomende Berlin.

Jörg Magenau | Extra | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Ein selten gerühmtes Stück Berlin ist das Big-Sexyland-Plakat. Darauf ist eine fast nackte Frau mit blankem Busen zu sehen. Nur die Brustspitzen bleiben hinter goldenen Sternchen dezent verborgen. Seit rund zwei Jahrzehnten schmückt dieses Plakat die Litfasssäulen der Stadt, so dass man die Blonde mit den rosa Handschuhen durchaus als stadtbekannteste Schönheit bezeichnen kann. Für ihren Dauereinsatz an der Erotikfront wird sie mit ewiger Jugend belohnt, und nur wer lange genug in Berlin lebt, weiß, dass diese Frau, die da in goldener Jugend zu erblicken ist, in Wirklichkeit längst um die fünfzig sein muss.

"Adolf Hitler ist's gewesen" Immerhin hat das Big-Sexyland-Plakat nun Eingang in die Literatur gefunden. Ulrich Woelk räsoniert in seinem Roman "Liebespaare" über das Alter des Plakats. Er verortet die Silbersternchen in den Disco-Glitterzeiten und klassifiziert auch den weißen Satinslip als typisches Siebzigerjahre-Modell. Außerdem ist ihm noch ein zweites unveränderliches

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