Anatomie eines Mörders

Real Crime. Emmanuel Carreres packendes Buch "Amok" basiert auf einem realen Fall: Nach 15 Jahren fingierter Existenz als WHO-Beamter ermordete Jean-Claude Romand seine Familie.

Extra | Martin Droschke | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Der Schriftsteller Emmanuel Carrere rang gerade mit den ersten Skizzen zu "Schneetreiben", einem Roman über das Schicksal, Sohn eines Kindermörders zu sein, als im Januar 1993 im Französischen Jura Jean-Claude Romand seine Eltern ermordete, dann seine Frau und seine beiden Kinder. Die Region stand unter Schock. Carrere schrieb dem mehrfachen Mörder, er habe vor, anhand seines Falls über einen Amokläufer zu schreiben, vorausgesetzt, er, Romand, wäre bereit, ihm Auskunft über die eigene Person zu geben. Auf Anraten seines Anwalts antwortet Romand erst nach der Urteilsverkündung, also zwei Jahre später. Carrere beginnt einen Briefwechsel mit dem mehrfachen Mörder, besucht ihn im Gefängnis. Bis zur Fertigstellung des Romans, in dem der Autor wie schon in "Schneetreiben" eine umfassende Anatomie des Täters erstellt, wird ihn der Fall Romand rund sieben Jahre beschäftigt haben.

Der Lebensweg Jean-Claude Romands ist so befremdend wie spektakulär. Carrere rekonstruiert ihn, berichtet


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