Das Kapital will Sex

Kulturtheorie. Der britisch-jamaikanische Philosoph und "Cultural Studies"-Papst Stuart Hall sprach im "Falter"-Gespräch über Multikulturalismus, über hedonistischen Kapitalismus und die Gespenster der liberalen Demokratie, über das emanzipatorische Potenzial von Reggae und kindliche Identifikation mit Nazi-Generälen.

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Nie werde ich vergessen, wie ich in England landete. Meine Mutter brachte mich her - mit meinem Fellhut, meinem Mantel und meinem Seemannskoffer und lieferte mich in Oxford ab. Sie übergab mich dem erstaunten Collegediener und sagte: ,Dies ist mein Sohn, sein Koffer, seine Sachen. Pass auf ihn auf.'" So beschreibt der 1932 auf Jamaika geborene Kulturphilosoph Stuart Hall seinen Eintritt in die akademische Welt. Ein halbes Jahrhundert später gilt Hall, der von 1968 bis 1979 das Center for Contemporary Cultural Studies leitete und bereits in den Fünfzigerjahren zu den Leitfiguren der britische Neuen Linken zählte, als einer der einflussreichsten Denker nicht nur der westlichen Hemisphäre: Seine Überlegungen zu kultureller Differenz und zur schwarzen Diaspora machen ihn zur Identifikationsfigur junger Intellektueller gerade auch an den Randlagen des akademischen Establishments. Begriffe wie Hybridität, Identitätspolitik, kulturelle Hegemonie oder Antiessenzialismus wurden von Hall


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige