Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Roger Donaldson ist gebürtiger Australier. 1987 verschlug es ihn nach Hollywood, wo er sich mit Filmen wie "Cocktail" oder "White Sands" in die erste Reihe der untalentiertesten Regisseure anywhere vorgearbeitet hat. So gesehen ist der pedantisch langsam inszenierte Politthriller "Thirteen Days" eine mehr als nur angenehme Überraschung. Der Film spielt im Oktober 1962, basiert im Wesentlichen auf dem gleichnamigen, posthum veröffentlichten Buch von Robert Kennedy und schildert die (naturgemäß leicht beschränkte) amerikanische Sicht der Ereignisse rund um die Kuba-Krise. Im Mittelpunkt der überwiegend diplomatischen Aktivitäten dieser Tage steht Kenny O'Donnell (Kevin Costner), ein politischer Berater und Intimus der Kennedys, der seine Taktik gegen cholerische Militärs, verschlagene Kommunisten und einen wankelmütigen Präsidenten durchsetzt. Oliver Stone hätte daraus eine fetzige Paranoiafantasie gemacht, doch "Thirteen Days", sozusagen ein prequel zu dessen "JFK", schlägt die entgegengesetzte Richtung ein: drosselt das Tempo, interessiert sich für Dialoge, verlagert fast die gesamte Action ins Weiße Haus. Natürlich hielte der Film einer historischen Analyse nicht stand; natürlich ist das blöd, wenn Bobby sagt: "It will be Munich again" (und damit die möglichen Folgen einer Kalmierung des Konflikts meint); und natürlich sollte man einem Mann wie O'Donnell, der unterm Pyjama noch die Unterhose und ansonsten eine Brille mit Fenstergläsern anhat, nicht blindlings das Geschick der Welt anvertrauen.


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