Schildkröte und Saurier

Musik. Die Vorzeige-Post-Rocker Tortoise aus Chicago veröffentlichen ein neues Album und spielen demnächst live in Wien - Grund genug, sich zu fragen, was am Post-Rock jemals radikal und neu war.

Kultur | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Zwei wie Pech und Schwefel: Die Geburt des Begriffs Post-Rock fiel 1994 zusammen mit dem Erscheinen der Debütplatte von Tortoise, dem aus der lebhaften Chicagoer Szene stammenden Ensemble um John McEntire. Techno wurde damals langsam ein wenig fad, und die Zeit war reif für das Comeback von Rock. Der sollte aber nicht retro oder prollig klingen, sondern immer noch avanciert. Weil man also nicht mehr hinter die Errungenschaften elektronischer Musik zurück und unbedarft darauflosrocken konnte, wurden eben allerorts Sampler und "richtige" Instrumente sowie Zitate und Versatzstücke unterschiedlicher Herkunft kombiniert und das Ergebnis Post-Rock getauft.

Tortoise veröffentlichten ihre erste, gleichnamige CD, die das oben beschriebene Programm mustergültig umsetzte, also genau zum richtigen Zeitpunkt. Umgehend wurde die Band als herausragender Vertreter des von der Musikpresse dankbar aufgenommenen Genre-Begriffs gefeiert. Sie galt als die Zukunftshoffnung für gute Musik abseits von Mainstream-Hypes,


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