Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Auf dem Weg vom Klimt-Schal zur Sisi-Torte, vom Museumsshop zum -cafe, stolpern erholungsbedürftige Museumsfreunde in der Österreichischen Galerie Belvedere derzeit über eine kleine, an diesem Ort perfid irritierende Retrospektive von Marcus Geiger. Nicht nur Touristen erschreckte der (Anti-)- Künstler schon 1998, als er die Fassade der Secession schleißig rot bepinselte; unter den jetzt gezeigten Arbeiten befindet sich auch ein Modell des Olbrich-Baus mit schwarzer Frotteemütze, die Geiger dem goldenen Blätterdach schon vor Jahren als Hundertwasserpersiflage verpasste. Auf einem Podest steht die Miniversion des Panzers, den Geiger 1991 im rosa Strampelanzug durch Warschau rollen ließ. Obwohl sich der Werkstoff Frottee schon fast zu so etwas wie Geigers Markenzeichen entwickelt hat, entzieht sich der studierte Architekt bisher erfolgreich aller Vereinnahmung durch den Markt und deckt lieber Wertsteigerungsstrategien anderer Künstler auf. So kaufte Franz West einen von Geiger genähten Klorollenüberzug, baute dafür einen Sockel und wandelte die "Gemeinschaftsarbeit" sofort in Bares um: "sfr 10.000,-" betitelt Geiger nun seine Kopie von Wests Coup. Werke von Donald Judd, Andy Warhol, Bruce Nauman paraphrasiert Geiger durch Nachbau in Billigstwerkstoffen genauso ungeniert, wie er seine eigene Matratze für die Dauer der Schau als Readymade ausstellt.

Ganz reibungslos wollte die Zusammenarbeit eines "Entwerters" (Kurator Thomas Trummer) vom Kaliber Geigers mit dem preziosengewohnten Museumspersonal dann anscheinend doch nicht verlaufen: Das Haxel, das Geiger mithilfe einer unter einem PVC-Bodenbelag versteckten Rolle den Besuchern stellt, wurde schon entfernt. Könnte ja was passieren ...!


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