Fragen Sie Frau Andrea: Schuhkundliches

Stadtleben | aus FALTER 12/01 vom 21.03.2001

Liebe Frau Andrea, was, bitte, ist ein "Bibel-Hammerl". Hab ich da irgendeinen religiösen Trend versäumt? Der Ausdruck fiel allerdings im Zusammenhang mit Kleidung. Ich bin ratlos, in Vorarlberg gibt es so was nicht.

Sabine Fink, Internet Liebe Sabine, als ich noch ein kleines unschuldiges Ding war, beschäftigte ich mich ausgiebig mit dem Anhimmeln von männlichen Popstars. In einschlägigen "Sex-, Drugs- and Rock 'n' Roll"-Etablissements war zu dieser Zeit eine Wiener Musikkapelle zugange, die sagenumwobene Schoitl AG. Die hatten bodenlange Mäntel an auf der Bühne und spielten schwere Gitarrenmusik, jedenfalls sah das auf den ebenso mysteriös wie viel versprechenden Plakaten so aus. (Schwere Riffs kommen immer von tief hängenden Gitarren, vermutete ich.) Der Held der von mir aus der Ferne angebeteten Kombo war der damals schon in ganz Niederösterreich weltberühmte Helmut Bibl. Die langen Django-Mäntel, die die Schoitl-AG anhatten, haben auf mich eine atemberaubende, ja geradezu animalisch-sexuelle Anziehung ausgeübt. Bibl hatte zudem eine hervorragende lange Matte, die fast so lang war wie sein grauer Mantel. Er war als Gitarre spielender blonder Winnetou die Idealbesetzung. Nur die Allmann Brothers hätten zu dieser Zeit frisurtechnisch mithalten können. Das wichtigste Utensil der Schoitl AG aber war das Schuhwerk des Gitarrenfachmanns, es waren ebenso ausgelatschte wie elegante texanische Cowboystiefel. Und nun zu deiner Frage: Stiefel im Allgemeinen heißen in Wien seit Urzeiten Hammerl, die beschriebenen Spezialgeräte waren unter "Bibl-Hammerl" bekannt. Helmut Bibl hat sich seit den Siebzigern äußerlich (und innerlich) nicht verändert. Nur die Bibl-Hammerl sind etwas weicher geworden.

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at;und besuchen Sie: www.geocities.com/Pentagon/4404/


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