Standpunkt: Karl, der Kleine

Politik | aus FALTER 13/01 vom 28.03.2001

Es wird kein Zufall sein, dass Karl Schlögl genau am Tag nach dem fulminanten SPÖ-Wahlerfolg aus der Politik scheidet. Der "Konsens-Karli" wie ihn seine Kritiker nannten, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Kein SPÖ-Bundespolitiker hat Schlögls Abgang nach zwanzig Jahren öffentlich bedauert oder kommentiert. Nur die Freiheitlichen witterten eine "Säuberungswelle des Gusenbauer-Flügels." Was hatte der Mann, der einst als Kanzler gehandelt wurde,falsch gemacht? Das Phänomen Schlögl sollte der SPÖ eine Lehre sein. Begonnen hatte er als innovativer Staatssekretär. Als Innenminister begann sein moralischer Abstieg. Als der Schubhäftling Omofuma starb, stellte sich Schlögl hinter die Polizei. Anstatt in der Wiener Fremdenpolizei hart durchzugreifen, vertraute er sich dem Polizeigeneraldirektor Michael Sika an, verzichtete auf Suspendierungen und ging eine unheilvolle Allianz mit der Kronen Zeitung ein. Den ersten Lauschangriffgegen afrikanische Drogendealer schlachtete Schlögl medial aus, die miese Optik war ihm egal. Auf politische Attacken des Gegners reagierte er beleidigt. Anstatt sich von der FPÖ klar abzugrenzen, suchte er den Kompromiss. Als Bürgermeister von Purkersdorf mag das die richtige Taktik sein. Als Innenminister hat er die damalige Klima-SPÖ in die Krise geführt. F. K.


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