"Haider nicht eingeladen"

SP-Spin. Michael Häupls amerikanischer Wahlkampfberater Stanley Greenberg über das Erfolgsrezept des Bürgermeisters und die antisemitischen Attacken Jörg Haiders, denen auch er selbst ausgesetzt war.

Politik | Gerald John | aus FALTER 13/01 vom 28.03.2001

Wer nicht schreit, singt oder kudert, fällt auf. Ein paar Journalisten etwa, die sich vom Hurra in der SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße nicht mitreißen lassen. Oder jener an sich unscheinbare Herr, der in einer Ecke an einem Glas Rotwein nippt. "Häupl hatte eine großartige Kampagne. Er war sehr offenherzig und ehrlich", sagt Stanley Greenberg: "Und er war konsequent: Never back away." Seinen Anteil an der gelungenen Präsentation Häupls spielt er mit einer lässigen Handbewegung herunter, doch das gehört zur Berufsbeschreibung des Wahlkampfgurus Greenbergs, der in der Vergangenheit Kaliber wie Bill Clinton oder Tony Blair betreut hat. Schließlich beteuerte auch Häupl stets, dass die SPÖ aus den USA keinen Spindoctor, sondern lediglich einen Analysten einfliegen hat lassen.

Greenberg wurde im Wahlkampf auch in eine andere Rolle gedrängt: Jörg Haider hatte bei einer FPÖ-Veranstaltung über den "Spindoctor Greenberg von der Ostküste" gehöhnt. "Das war sehr seltsam. Es ist mir noch nirgendwo anders passiert, dass ich Ziel einer Kampagne wurde", sagt er: "Aber die Attacke hat Haider wehgetan, weil Häupl dazu nicht wie die Bundesregierung geschwiegen hat. Antisemitismus ist nicht akzeptabel." Die SPÖ hingegen konnte vom Engagement des Kärntner Landeshauptmannes profitieren. "Die Konfrontation zwischen Häupl und Haider in der Schlussphase des Wahlkampfes hat viele junge und grüne Wähler im letzten Augenblick zur SPÖ gezogen", sagt Greenberg. Ob der Schmäh mit dem Duell seine Idee war? Der Spindoctor lächelt: "Ich habe Haider nicht eingeladen."


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