"Im Stich gelassen"

VP-Spin. Bernhard Görgs Berliner Wahlkampfberater Axel Wallrabenstein über den fehlenden Einsatz von ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel und Görgs Sympathiewerte bei den Frauen.

Politik | Eva Weissenberger | aus FALTER 13/01 vom 28.03.2001

Axel Wallrabenstein beobachtete entspannt das hektische Treiben im Wappensaal im Wiener Rathaus. Schließlich hatte sein Kandidat am Sonntag fast 45 Prozent erreicht. Kleiner Schönheitsfehler: Nicht des Spindoctors Wiener Patient, ÖVP-Chef Bernhard Görg, verfehlte nur knapp die absolute Mehrheit, sondern Erwin Teufel, CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Die Wiener ÖVP konnte sich hingegen von ihrem historischen Tiefststand nur minimal auf 16,39 Prozent steigern. Und das, obwohl Wallrabenstein und der ehemalige Berliner Kultursenator Peter Radunski mit Plakaten seit einem Jahr am Image Görgs als Küsserkönig und Gentleman feilten. Zu Jahresbeginn waren die Umfragewerte für die ÖVP auch noch sensationell gut. Trotzdem lässt Wallrabenstein Kritik an seiner Kampagne nicht gelten: "Die Planung hat gestimmt. Die Bundes-Zuspitzung gegen Ende des Wahlkampfes hatten wir bereits im Sommer einkalkuliert." Aber: "Vor acht, neun Wochen war klar, dass Bundeskanzler Schüssel die Wiener voll im Stich lässt", sagt Wallrabenstein. Daran sei die ausgeklügelte Kampagne gescheitert.

Nicht jedoch Bernhard Görg. "Er hat persönlich enorm gewonnen", urteilt der Wahlkampfberater. Und er sei sich auch in der Stunde der Enttäuschung am Wahlabend treu geblieben. "Und eines muss man uns lassen", meint Wallrabenstein, "bei den Frauen hat Görg bei den Sympathiewerten sicher zugelegt."


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