Spielplan

Kultur | Martin Lampprecht | aus FALTER 13/01 vom 28.03.2001

Es gibt Geschichten, die danach schreien, künstlerischer Mehrwertschöpfung zugeführt zu werden - Romane, Verfilmungen und Frühstückstassen zeugen davon, dass das Lieben und Leiden der schwer kranken, grenzgenialen mexikanischen Malerin Frida Kahlo dazu gehört. Eine Musicalisierung stand dringend zu befürchten.

"Frida" von Robert X. Rodriguez, derzeit in der Inszenierung von Hans Gratzer am Schauspielhaus zu sehen, zieht alle Register, die man bei möglichst oberflächlicher Betrachtung des Stoffes nur ziehen kann. Und das sind leider nicht viele. Ein tiefer Griff in die TexMex-Kiste, und mit Wellpappe und Dispersionsfarbe lässt sich im Handumdrehen der schönste Dritte-Welt-Laden zaubern, wobei die lokalspezifischen Klischees jeden TUI-Katalog verblassen machen. Neben dem Sammelsurium an Ethnokitsch der schweizerisch-amerikanischen Künstlerin Garance ist auf der Bühne nicht viel los. Der Versuch, in zwei Stunden anhand griffiger Szenen den Bogen eines Lebens nachzuzeichnen, ist von platten Bildern und Peinlichkeit nicht frei. Eine harmlose musikalische Collage aus Folkloreelementen und ein gelinde gesagt schlichtes Libretto lavieren sich illustrativ durch die Story. Auf sängerische Leistung kommt es im Musical glücklicherweise nicht an (oder doch?). Allein die schauspielerische Präsenz von Helen Schneider, der die physisch geschundene und seelisch gedemütigte Frida näher zu stehen scheint als die Kämpferin, geht über gemütliche Stereotypien hinaus.

\r


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige