Stadtrand: Linksrechts

Stadtleben | aus FALTER 13/01 vom 28.03.2001

Das ganz normale Spazierengehen in der Stadt: schwierig, schwierig. Kaum einer fädelt sich durch die Massen, ohne mit entgegenkommenden Menschen zusammenzustoßen, kaum eine findet ihren Weg durch das Verkehrsaufkommen auf den Gehsteigen der Stadt unbeschadet und ohne sich leichte Havarien einzuhandeln.

Oft schlängelt man sich grad noch durch, streift nur an, flutscht in letzter Sekunde aneinander vorbei. Noch öfters behilft man sich freilich mit einem kleinen Kniff: Man marschiert auf Kollisionskurs und blinzelt sich wenige Sekunden vor dem vermeintlichen Zusammenprall zu.

Ergebnis: Ich marschier' links vorbei, du suchst das Weite rechts von mir. Oder (mit schon etwas giftigerem Blick): Ich bleib auf meiner Spur. Und du hast die Richtung linksrum gefälligst zu ändern. Basta. Geraten so zwei sture Böcke aneinander, dann gute Nacht. Erschwerend kommt noch dazu, dass auf den Fußgängerzonen der strenge Rechtsverkehr seit Ewigkeiten groß in Mode ist: Du - strenges G'schau und entschlossener Antritt des Rechtsgehers - gehst jetzt links, weil die rechte Richtung gehört mir. Basta.

Kommt es nur mir so vor, dass jetzt wieder viel mehr Linksverkehr herrscht? Mit der Politik hat das alles natürlich ganz und gar nix zu tun.

Nur mit dem Spazierengehen.


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