Rot bis in den Tod

Machtfrage. Die Wiener schenkten ihrem Bürgermeister Michael Häupl am Sonntag die absolute Mehrheit. Werden die Albträume von Schwarz und Grün wahr? Oder kann die SPÖ der Versuchung widerstehen, das rote Wien wieder aufleben zu lassen?

Politik | Gerald John, Julia Ortner und Eva Weissenberger | aus FALTER 13/01 vom 28.03.2001

Werner Faymann weint: "Es ist lange her, dass ich Tränen in den Augen gehabt habe." Brigitte Ederer busselt: "Tschuldigung, ich muss den Hansi Hatzl küssen!" Rudolf Edlinger stammelt; viel mehr als "unglaublich" und "i werd' a Narr" bringt er nicht heraus, als die roten Balken auf der Videowand im Wappensaal des Rathauses wachsen und wachsen. Nur der geherzte Hatzl ist fähig, im allgemeinen Siegesrausch einen klaren Gedanken zu fassen. "Nur nicht überheblich werden", sagt das urigste aller SPÖ-Gesteine: "Eine Mir-san-mir-Stimmung darf nicht aufkommen."

In der Stunde des Triumphs demonstriert Johann Hatzl, seit über zwei Jahrzehnten der gewiefteste Betonierer roter Macht, Großmut. Er ist der heimliche Sieger vom Sonntag. Denn dass die Wiener SPÖ mit 46,8 Prozent der Stimmen 52 Prozent der Mandate abräumte, hat sie ihrem Klubobmann zu verdanken. Jahrelang lagen die Oppositionsparteien den Sozis in den Ohren, sie mögen doch das unfaire Wahlrecht, das große Parteien bevorzugt, ändern.


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