Die letzten Genossen

Rotes Wien. Die SPÖ regiert wieder allein. Doch das revolutionäre Experiment des Roten Wien existiert nur noch in den Köpfen weniger. Spurensuche bei vier Genossen, die Arbeiterabstinenzverbände, Weihnachtskolonien und die Schüsse auf Arbeiterburgen erlebt und bis heute nicht vergessen haben.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 14/01 vom 04.04.2001

Schauen Sie genau hin! Bei den großen Toren erkennen Sie die Füße. Und da oben, das sind die Arme! Da stehen wir und halten uns fest. Sehen Sie es?" Ja, da stehen sie. Rot angestrichen. "Wir schauen von unserer Festung gegen die Cottage! Wir, die Arbeiterschaft."

Wenn Genosse Kurt Treml auf den eigenwillig geformten Mitteltrakt des Karl-Marx-Hofes am "12.-Februar-Platz" weist, dann erfüllt sich seine Stimme mit Stolz. Übermächtige Arbeiter hatte der Architekt hier geformt. Das war in den Zwanzigerjahren. Da blickten "die von der Cottage" von ihren viel zu großen Villen in den Weinbergen auf ein seltsames Szenario herunter. Ohne Kräne, ohne Bagger stampften Hunderte Arbeiter Pfähle in den matschigen Boden der Heiligenstädter Gemüsefelder, um darauf die größte Wohnburg Europas zu errichten. In der bürgerlichen Presse gab's Spott: "Einsturzgefahr! Lügengebäude!" titelten die Blätter und lästerten: "Parkettböden für Proletarier sind wie Teppichböden in Schweineställen".


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