Aufgeblättert

Kultur | Stefan Löffler | aus FALTER 14/01 vom 04.04.2001

Hat Malcolm Gladwell bei Recherchen über Aids zu viel Zeit mit Epidemiologen verbracht? Der New Yorker Wissenschaftsreporter behauptet jedenfalls, dass sich Ideen und Verhaltensweisen ausbreiten wie ansteckende Krankheiten. Ob Rauchen unter Teenagern, Selbstmorde in Mikronesien oder die plötzliche Beliebtheit einer schon als Auslaufmodell gehandelten Schuhmarke: Um zum "Tipping Point" (deutsch: Kippmoment) zu gelangen, braucht es die richtigen Kontakte und Umstände. Gladwell greift Ideen aus den Sozialwissenschaften auf, übersetzt sie in die Alltagssprache und bastelt daraus eine Theorie, die vor allem für sich hat, dass sie an die Weisheit moderner Großstadtbewohner anknüpft: kleine Ursache, große Wirkung; und nichts ist so erfolgreich wie Erfolg. Bloß: Die Rigorosität eines Epidemiologen, der systematisch Daten über alle plausiblen Einflussfaktoren sammelt, um so den wichtigsten zu finden, mutet Gladwell sich und seinen Lesern nicht zu.

Auch der Physiker Mark Buchanan versucht


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