Fragen Sie Frau Andrea: Schuhkundliches II

Stadtleben | aus FALTER 14/01 vom 04.04.2001

Liebe Frau Andrea, Gestern hat eine Kollegin gefragt, in welchem Schuhgeschäft man Osterbock kaufen kann. Wissen Sie Näheres?

Viele Grüße Larry Lex, Eichgraben Lieber Larry, Osterbock finden Sie im profilierten Spezialsonderschuhhandel. Osterbock werden aus Stutenleder gefertigt. Sie sind sehr weich, halten trotzdem enorm viel aus und waren zu Zeiten der Monarchie die bevorzugten Stiefel der tschechischen und mährischen Kutscher. Slowakische Kutscher, vor allem die aus den Gegenden der Hohen Tatra und der Zips hatten Pfingstbock lieber, in Galizien wiederum waren Weihnachtsbock ein absolutes Muss. In Lemberg fertigten die Schuster ganz besondere koschere "Pessachbouck", die anstatt mit Hanfzwirn mit Rosshaar genäht waren und damit auch den allerstrengsten orthodoxen Kutschern als koscher galten. Die Herkunft der Bezeichnung Osterbock ist allerdings mehr als unklar. Bock istbekannterweise eine Wiener Bezeichnung für Schuhwerk. Vermutlich wurden die eleganten, leichten Osterbock nach der Schneeschmelze angezogen, als der Frühling das Tragen der winterlichen Filz- oder Lammfellstiefel unnötig machte. Osterbock haben mit slawischen Emigranten ihren Weg bis nach Amerika gefunden. In New York - besonders im East Village - waren Sie, als "Easter Bogg" und verballhornt als "Esther Bog" bekannt. In den Schlachthöfen von Chicago waren die so genannten "Auoster Bouck" äußerst beliebt. Die burgenländischen (eigentlich westungarischen) Fleischhauersgesellen liebten diese strapazierfähigen und dennoch eleganten Stiefel. DieOsterbock werden heute nur mehr von Pinzgauer Rossknüttlern getragen, und dies auch nur aus folkloristischen Gründen. Schade.

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at;und besuchen Sie: www.geocities.com/Pentagon/4404/


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