Waisen ohne Rat

Film. Das amerikanische Familiendrama "You can count on me" ersetzt allzu einfache Erklärungen durch sorgfältig entwickelte Charaktere.

Michael Loebenstein | Kultur | aus FALTER 15/01 vom 11.04.2001

Ein Ehepaar auf dem Weg nach Hause, er am Steuer des Wagens, sie am Beifahrersitz. Eine kleine Unaufmerksamkeit, ein Vorrangfehler - und die Frontlichter eines Lkw löschen die Szenerie aus. Der Tod ist banal, schnell und schlägt außerhalb des Bildes zu. Der Schnitt bezeichnet hier tatsächlich einen Einschnitt: "You can count on me" wird von den Folgen dieser Nacht für ihre Überlebenden erzählen - die nächste Einstellung zeigt zwei Geschwister, die weinend auf der Kirchenbank sitzen und einander die Hände halten.

Der Debütfilm des Theaterautors und -regisseurs Kenneth Lonergan springt nach seiner knappen Exposition um zwei Jahrzehnte in die Gegenwart. Aus den Waisen sind erwachsene Menschen geworden, Menschen mit Geschichte, denen wir vorerst über ihre Gegenwart, ihre alltäglichen Verrichtungen und Sorgen, begegnen. Sammy (Laura Linney) fährt mit dem Auto zur Arbeit in die Bankfiliale, holt mittags ihren kleinen Sohn Rudy (Rory Culkin) von der Schule ab, erledigt Kleinkram; abends

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