Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 15/01 vom 11.04.2001

Zwei tschechische Knastbrüder kommen in New York an. Oleg will Filmregisseur werden, nennt sich Frank Capra und klaut eine Videokamera; Emil will um jeden Preis berühmt werden, bringt wahllos Leute um, brennt Häuser nieder und lässt sich dabei filmen. Ein prominenter Cop (Robert De Niro) und ein junger Brandstiftungsexperte (Edward Burns) werden mit der Aufklärung der Morde betraut. Einer der beiden gerät am Ende selbst in die Hände der Verbrecher: Das Video seiner "Hinrichtung" wird ans Fernsehen verkauft und zur Prime Time ausgestrahlt. Um es gleich vorwegzunehmen: "15 Minutes" (auf deutsch: "15 Minuten Ruhm") ist ein säuisches Machwerk, wie man selten eines gesehen hat. Was seine Gestaltung betrifft, setzt die Regie von John Herzfeld neue Maßstäbe in Zynismus, insofern der Film die Sensationslust der Medien mit ihren eigenen Mitteln "anprangert", diese an latenter Xenophobie und sinnloser Brutalität aber mühelos übertrifft; das Spiel ist letztklassig, das Drehbuch mehr die Parodie auf ein Drehbuch, und beides zusammen einfach zum Schreien.

"Durch die Straßen hat man nie gehört Weinen, nicht gehört Schreie", erinnert sich Sima Skurkovitz, einst Künstlerin am Marionettentheater in Wilna, in "Wir leben ewig": "Sogar wenn wir zum Tod gegangen sind und gewusst haben, es gibt keinen anderen Ausweg, haben die Mädels gesungen." Carla Knapps auf Video gedrehter Dokumentarfilm begibt sich auf Spurensuche nach dem ehemaligen "Jerusalem von Litauen" und lässt noch einmal die Lieder des Wilnaer Ghettos erklingen, interpretiert von der Wiener Musikgruppe gojim. Zu sehen im Filmhaus Stöbergasse, 18.4., 20 Uhr (Vorführung in Anwesenheit der Filmemacherin).


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige