Spielplan

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 15/01 vom 11.04.2001

Frauen sind was Wunderbares. Aber sind Männer für Wunder empfänglich? Diese Frage muss im Theater Gruppe 80 verneint werden. In Ödön von Horvaths Frühwerk "Zur schönen Aussicht" breitet sich bereits das übliche Horvath-Szenario aus: die Verklärung weiblichen Märtyrertums, verursacht durch eine emotional unterentwickelte Männergesellschaft. In diesem Fall vier verlotterte Junggesellen, die sich in einem heruntergewirtschafteten Hotel verbarrikadieren, an der Bar lungern und in einem fort paffen und saufen, als ob sie im Rausch den letzten Halt fänden. Nur das ältliche Freifräulein Ada wird in der Männerlandschaft geduldet - als eine, die Liebesdienste bar bezahlt. In diese Tristesse platzt Christine, die aufgrund einer Erbschaft alles zum Guten wenden könnte. Doch der Hotelbesitzer Strasser glaubt nicht an Wunder, fürchtet eine Vaterschaftsklage und heckt mit seinen Kompagnons ein Komplott aus, dem sie mit knapper Not entkommt. Man spürt, dass Regisseur Stefan Weber die Figuren mag; Adas Satz "Ich bin eigentlich ganz anders, ich komme nur so selten dazu" wird zum Subtext für alle Figuren erklärt. Vielleicht werden sie damit etwas zu ernst genommen.

Mehr Spaß würde man auch der Frauenfigur in Elisabeth Wägers Monolog "Mango" am Volkstheater-plafond wünschen. Isabel Weicken spielt die Autorin, die einen "automatischen Frauenroman" schreiben möchte, als eine Art gespaltene Persönlichkeit: im ersten Teil als kühl-rationale Chefin, im zweiten als leidend-schreibende Frau. In einer aufgeräumten Schreibstube sitzt Weicken lässig am Boden und hält verträumt die weißen Blätter in Händen; über die männlichen "Schnöselautoren" schüttelt sie verärgert den blonden Lockenkopf, die männlich dominierten Redakteurscliquen treiben ihr gar die Zornesröte ins Gesicht. Der Abend ist wie eine Zeitreise in die goldene Zeit der Frauendramatik, als es noch geholfen hat, mit den Füßen aufzustampfen und festzustellen, dass die Welt eine Männerwelt ist, gegen die es anzuschreiben gilt.


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