Stadtrand: Gäste nicht verwöhnen!

Stadtleben | aus FALTER 15/01 vom 11.04.2001

Die Meierei im Volksgarten bietet in der warmen Jahreszeit viel Spektakuläres. Einen Ausblick auf Hofburg, Rathaus und Parlament. Einen Überblick über das eindrucksvolle Preisniveau innenstädtischer Gastronomie (Schinken-Käse-Toast 52 Schilling, Schnitzel 130 Schilling). Und einen Einblick in das Regime Wiener Oberkellnerinnen. "Tu mir meine Gäste nicht verwöhnen", fasst ein "Fräulein" ordentlich Schmalz aus, als sie offenbar beim falschen Tisch die Bestellung eines Schnittlauchbrotes für 32 Schilling - das einzige Schnäppchen auf der Speisekarte - entgegennimmt. Den Imbiss bringt die "Schefin" dann selber, mit dem liebenswürdig-bedrohlichen Hinweis: "Wenns noch einmal was bei meiner Kollegin bestellen, hamma an Krieg!" Um Himmels Willen, den wollen die Gäste nun wirklich nicht, sondern lediglich - ein letzter Wunsch - Weizenbiergläser, damit sie das Hefetrübe nicht im Seidel herunterkippen müssen. Die Gläser muss sie zwar extra abwaschen, bringt sie - zur Erleichterung der Kunden, die schon Angst vor der eigenen Courage bekommen haben - dann aber doch. Das Bier zischt und regt das Gespräch an, fast könnte man die Zeit übersehen - wenn da nicht die Wirtin wäre, die den Pickenbleibern mit ihrer charmanten Art auf die Beine hilft: "Dauert des noch lang?" G. J.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige