Fragen Sie Frau Andrea: Mir san mir

Stadtleben | aus FALTER 15/01 vom 11.04.2001

Liebe Frau Andrea, ein Physiker erzählte mir, dass in der jüngst abgestürzten russischen Raumstation Mir gar nicht Schwerelosigkeit geherrscht hätte. Die Anziehungskraft hätte weiterhin bestanden. Nur die Geschwindigkeit des Raumschiffes hätte die Astronauten gewichtslos gemacht. Das Fehlen der Anziehungskraft sei mit dem Zustand beim Absturz eines Personenliftes zu erklären. Können Sie das glauben? Rolf Knell, Ratzersdorf Lieber Rolf, der von Ihnen kontaktierte Physiker hat nach Ansicht meines Freundes Elmar Platzgummer, ebenfalls Physiker, völlig Recht. Nach Ansicht aller kontaktierten Physiker kann Kräften nur gegengewirkt werden. Sie heben sich maximal auf. Wie Ringer, die, weil sie gleich stark sind, stundenlang in einer mühelosen laokoonischen Verstrickung herumverharren können. Der Knackpunkt am scheinbaren Schwerelossein in so einer Mir ist die Geschwindigkeit, und die hat in unserem Fall sehr mit der Höhe der Mir'schen Umlaufbahn zu tun. Ein bisschen langsamer, und eine Mir würde runtergezogen werden und zerschellen, ein bisschen schneller, und sie entfernte sich immer mehr Richtung Kosmos.

Der Knackpunkt ist das Duo Geschwindigkeit und Entfernung. Würde sich ein Astronaut in einer Umlaufbahn weiter unten befinden, sagen wir, in einem Verkehrsflugzeug, wäre er zwar nicht mehr schwerelos, sondern schon schwerevoll, aber nicht so schwerevoll wie ganz weiter unten, am Fußboden unseres Globus. Sogar in unserem Körper wirken diese Entfernungs/Geschwindigkeitsphänomene. Ein Molekülchen in unserem Knie ist schwerer als ein solches in unserer Augenbraue, schlicht weil es, sobald wir auf einer perfekten Kreisbahn wandern, in einer größeren Entfernung die Erde umkreist als das Molekül im Knie. Hätten mir sich das gedacht?

Schreiben Sie Frau Andrea: dusl@falter.at;und besuchen Sie: www.geocities.com/Pentagon/4404/


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