Phettbergs Predigtdienst: Christus und der, der ihn nagelte

... Darauf ließ Pilatus Jesus geißeln. Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen, den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellten sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden ... Joh 18,1-19,42 (Passionsgeschichte am Karfreitag)

Stadtleben | aus FALTER 15/01 vom 11.04.2001

In der Betrachtung der Hinrichtung Christi liegt ein Rausch, nicht nur dann wenn du Ignationist bist, Duhsub! Ignatio von Loyola, Gründer des Jesuitenordens, schuf eine dreißig Tage dauernde Einkehr, in welcher Jesus in allen Einzelheiten eingefühlt wird. Der Schmerz brennt den Nerven eine Erinnerung ein, so nahe der Lust, damit du dich leicht erinnerst.

So stelle ich es mir vor, der eine, Hinrichtungsbeamte, ein Soldat, ja, einer wie ich, der so lange schon keinen gehabt hat, erleidet durch das schiere Wort Soldat einen masochistischen Kollaps. Er holt also Jesus, gleichfalls ein junger Mann,in der Früh aus der Zelle, was werden sie miteinander gewechselt haben. Irgendwann werden sich ihre Blicke gekreuzt haben.

Der Vollstrecker weiß, dass es für Jesus nicht irgendein Tag ist, es ist ein entscheidender Tag. Jesus weiß wiederum, egal wie evident ihm das ist, er weiß es, dass der Soldat weiß, dass es hart ist, was bevorsteht. Also entsteht eine, wahrscheinlich unbewusste, Mitkreatürlichkeit.

Nach allem, was ich bisher eingefühlt habe, studiert in Jahrzehnten der Kreuzwegbetrachtung, sie werden den Verurteilten die massiven Querbalken auf die weggespreizten Arme mit festen Stricken geschnallt haben. Absolut fest, da wird es eine eigene Bindekunst gegeben haben. Mit nacktem Oberkörper. Für den schwulen Masochisten ist es kaum zu Ende zu denken. Es ist faszinierend und unerträglich.

Es muss sein, sagen sich vier Augen. Zwei junge Typen geben sich geschlagen, verraten ihren Zorn, auf die Welt gekommen zu sein wie auf den Hund. Er setzt den Nagel an. Er muss hinein. Vier Augen gehen kurz das Leiden noch einmal miteinander durch.

Sie sollen lange hängen, die Leidenden, ist die Idee, aber der Delinquent war brav, und die Soldaten haben ein Herz und helfen nach. Irgendwer hat irgendwen zuerst angeschaut, die Augen trugen es weiter, bis es auf uns kam.

Der Phettberg-Chat. Jeden Dienstag von 15.30-16.30 Uhr auf www.webfreetv.com.


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