Tier der Woche: Meckerecke

"Bäh", sagt das Schaf, und damit beginnt schon das Missverständnis. "Bäh" ist für den Menschen Ausdruck von Ekel und Verdrossenheit, für Schafe aber der Urlaut schlechthin." W. Schels, S. Schwabenthan: Die Seele der Tiere

Stadtleben | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 15/01 vom 11.04.2001

Ostern naht. Da erinnert man sich gern religiöser Traditionen und will statt sonntäglichem Schweinsschnitzel Lammfleisch auf dem Teller sehen. Also ab zum Fleischhauer, doch angesichts des unverschämten Grinsens des Meat-Dealers machen sich hinsichtlich der Identität des toten Tiers auf der Schlachtbank Bedenken breit. Wodurch unterscheidet sich ein Schaf von einem - sagen wir einmal - Hund? Hätte man seinerzeit doch besser im Biologieunterricht aufgepasst! Die Behörden in Bukarest kennen sowohl Wissenslücken als auch Geschäftspraktiken mancher Bürger und warnen daher auf Plakaten vor Händlern, die Hunde und Katzen als Osterlamm anbieten. Was sollte man beachten? Wichtigste Regel: Kaufen Sie keinen Braten mit Pfoten, sondern nur Fleisch mit Hufen. Dieses Unterscheidungsmerkmal zwischen Paarhufern und Raubtieren hat wirklich Hand und Fuß, daran gibt es nichts herumzumeckern.

Herr V. hat auch nicht gemeckert, sondern wohlartikuliert nachgedacht. Er interessiert sich für Tierdialekte und stieß dabei auf den eingangs zitierten Text über das Bähen der Schafe. "Mäh" müsse es wohl bei diesen Tieren wohl heißen, denn gebäht würde seiner Kenntnis nach nur bei den Ziegen. In diesem Fall hätte vermutlich auch gutes Aufpassen in der Schule nichts gebracht, denn das Imitieren von Tierlauten ist im Lehrplan nicht vorgesehen. Bedauerlicherweise wohlgemerkt. Wer sich beim Urlaub auf dem Bauernhof vor Kindern und Landbevölkerung mit falschem Meckern blamiert hat, weiß, wovon die Rede ist. Ich habe daher in diesem Fall bei den Autoren des ersten Deutschen Wörterbuchs, den Gebrüdern Grimm, nachgeschlagen und im Märchen "Tischlein deck dich" eine Antwort darauf gefunden: "Die Ziege antwortet: Ich bin so satt, ich mag kein Blatt: meh! meh!" Also: Ziegen meckern, Schafe blöken. Wie aber Schweine auf Französisch grunzen und was das mit einer Modemarke zu tun hat, das können Sie auf der Homepage weiterlesen.


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