Mutter, Vater, Kind

Film. Auch ehemalige RAF-Terroristen haben ein Familienleben: "Die innere Sicherheit" von Christian Petzold zeigt Gespenster, die an ihrer Menschwerdung arbeiten.

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 16/01 vom 18.04.2001

Was geschehen ist, vor 15 oder mehr Jahren, bleibt im Dunkeln, aber es hat gereicht, um die Familie während dieser ganzen Zeit zusammenzuhalten: Hans und Clara und Jeanne, ihre gemeinsame Tochter. Sie haben auf der Flucht gelebt, 15 oder mehr Jahre lang, zuletzt wie Touristen im Winter irgendwo an der Küste von Portugal. Da bereitet ein blöder Zufall der klammen Idylle ein jähes Ende; zwei Diebe verwüsten das Appartement - das Geld ist weg, die Polizei da.

Und wieder müssen Vater, Mutter, Kind untertauchen, eine Familie ohne Nachname, die alles verloren hat und sich jetzt, nach so vielen Jahren, in das Unausweichliche fügen muss. Unterwegs, als Hans einmal anhält, um den alten Volvo zu reparieren, sagt Clara zu Jeanne: "Wir fahren nach Deutschland." Mit einer Bestimmtheit, als habe sie gerade ihr Todesurteil gesprochen.

Christian Petzolds "Die innere Sicherheit" ist ein ganz einfacher, sehr komplizierter Film, nicht zuletzt deshalb, weil er dem Melodram näher steht als dem Politthriller.


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