Posex und Poesie

Musik. Die Platten des genialen Enfant terrible Serge Gainsbourg waren lange vergriffen. Jetzt, zehn Jahre nach seinem Tod, wird sein musikalisches Gesamtwerk neu aufgelegt.

Kultur | Gerhard Stöger | aus FALTER 16/01 vom 18.04.2001

Es war die letzte wirklich große öffentliche Erregung in Serge Gainsbourgs skandalreicher Karriere, als sich der von jahrzehntelanger Alkohol- und Nikotinsucht gezeichnete Lebemann 1986 in einer live ausgestrahlten französischen Prime-Time-Talkshow auf einer gemeinsamen Couch mit Whitney Houston wiederfand. "I want to fuck her", murmelte er vor sich hin. Houston, damals noch als personifizierte Unschuld der Unterhaltungsbranche gehandelt, spitzte die Ohren, und der Moderator versuchte die Situation mit einem schlecht gelogenen "He wants to give you some flowers" zu überspielen. Gainsbourg darauf ebenso polternd wie eindeutig: "No! I said I want to fuck you!"

Abgesehen vom Unterhaltungswert dieser Episode spiegeln sich darin eine Reihe von Gainsbourgs wesentlichen Charakterzügen wider, die der Marquis de Sade der französischen Popmusik durch jahrzehntelange perfekte Selbstinszenierung als öffentliches Bild seiner Person kultiviert hatte: eitle Maßlosigkeit, permanente Geilheit, vordergründige


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