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Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 16/01 vom 18.04.2001

Von den merkwürdigen Begebenheiten einer schwülen Sommernacht in einem etwas abgewohnten Hochhaus erzählt "Die arabische Nacht" vom 34-jährigen deutschen Dramatiker Roland Schimmelpfennig: Wie durch ein verwunschenes Labyrinth irren zwei Frauen und drei Männer über die Stiegen und durch die Wohnungen des Hauses; sie träumen von Wüstensand und von Wassermassen, sie werden im Schlaf geküsst, im klapprigen Aufzug eingeschlossen oder in eine Cognacflasche gezaubert; zwei Personen werden das moderne Märchen aus 1001 Nacht nicht überleben, zwei andere werden am Ende ein überraschendes Paar bilden. Weil leichte, witzige, erotische und dennoch nicht peinliche deutsche Stücke Mangelware sind, herrscht im gesamten Sprachraum ein G'riss um den Text: Die österreichische Erstaufführung im Schauspielhaus-Schaufenster ist die bereits fünfte Inszenierung des Stücks in drei Monaten - und bei weitem nicht die letzte.

In der allerletzten Schauspielinszenierung der Ära Hans Gratzer sind die beiden jungen Regisseure Ulrich Gehmacher und Markus Seilern - beide haben früher am Schauspielhaus assistiert - vollauf damit beschäftigt, das Stück in den kleinen, bei der Premiere bis zur Atemnot mit Publikum gefüllten Raum zu packen. Die beengten Verhältnisse machen die teilweise eklatanten schauspielerischen Mängel zwar hautnah spürbar, sorgen in Verbindung mit Räucherstäbchen und orientalischer Musik aber auch automatisch für eine einigermaßen dichte Atmosphäre. Insgesamt eine der angenehmeren Theaterstunden, die es in Wien derzeit zu erleben gibt - und ein Argument mehr dafür, im Schauspielhaus auch weiterhin Schauspiel anzubieten.


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