Streifenweise

Kultur | Michael Loebenstein | aus FALTER 16/01 vom 18.04.2001

Alle wollen sie, denn Jewel (Liv Tyler) ist sexy und mysteriös - und da wird jeder Mann schwach. "Eine Nacht bei McCool's" (Regie: Harald Zwart; produziert von Michael Douglas) inszeniert seinen eklektischen Krimikomödienplot rund um seinen weiblichen Star - für den patscherten Barkeeper (Matt Dillon) ist sie das average american girl, für seinen anlassigen Cousin die anrüchige Hure und für den melancholischen Polizisten (John Goodman) die reine, unschuldige Madonna. Femme fatale ist sie auf jeden Fall. Damit das neunzig Minuten lang auch ja nicht fad wird, zitiert man ein bisserl Filmgeschichte (von "Rashomon" über den Film noir bis hin zu Aerosmith-Videos), drapiert die junge Dame in immer neue Outfits und würzt das ganze noch mit einer Prise SM und schwulen Lederhosen. Klingt wie ein müder Herrenwitz, ist es auch. Halbwegs lustig ist nur Michael Douglas' Cameo-Auftritt: Wer zahlt, schafft an.

Nicht wirklich lustig ist auch Wong Kar-wais "As Tears Go By" (1988). Ergänzend zur Retrospektive seines Werks in der strengen Kammer des Filmmuseums gibt es nun die Gelegenheit, den Debütfilm des einflussreichen Stilisten im Polstersessel kennen zu lernen. "As Tears Go By" erzählt in fragmentarischen Episoden von der Freundschaft zwischen zwei Ganoven (Andy Lau, Jacky Cheung) und einer Frau (Maggie Cheung, zuletzt in Wongs "In the Mood for Love" zu sehen). Todgeweihte Männerbeziehungen, eine unartikulierte Liebe, Neonlicht, schiefe Winkel und ein wiederkehrender Popsong - viele Elemente des "Wong-Stils" lassen sich, so man zur Archäologie neigt, hier bereits bestimmen. Auch sonst eine Empfehlung: flüchtig und gewollt unfertig, lakonisch gewalttätig und dann doch sehr traurig.


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