Aufgeblättert

Kultur | Franz Gutsch | aus FALTER 16/01 vom 18.04.2001

Die Vergangenheit, das sind die Geschichten, die wir über sie erzählen, die Geschichten, die uns nicht mehr loslassen. Zur Illustration dieses feinsinnigen Kalenderspruches zwei aktuelle Romane. Da wäre das bemerkenswerte Debüt "Miss Elliott" von Marian O'Neill: Eine alte Frau erinnert sich an ihre erste und einzige Liebe, damals im Irland der Dreißigerjahre. Die unbeholfene Mary entschlüpft dem elterlichen Stall, kommt in die Stadt, lernt die lebensfrohe Harrie kennen und erlebt ihr Frühlingserwachen. "Dieser erste Vormittag mit Harrie wurde zur Bibel, auf der meine Religion basiert." Als der fadeste Mann der Welt (Jusstudent, Berufsziel: Notar) in ihre gemeinsame Idylle stolpert, beginnt sie um Harrie zu kämpfen. Die feine Durchtriebenheit, mit der Mary gegen den Schnösel intrigiert, kann man nicht anders als mit Begeisterung lesen. O'Neill, die in Berlin Buchhändlerin gelernt hat, ist unter den vielen jungen irischen Talenten sicher ein Name mit Zukunft.

Auch "Irischer Abschied"


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