Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 16/01 vom 18.04.2001

Sich Essiggurkerl zwischen die Zehen oder Schwammerl in die Nase zu stecken oder den frivolen Partytanz mit Orangen aufzuführen: Auf den ersten Blick kommen die "One Minute Sculptures" von Erwin Wurm witzig, skurril und eindeutig daher. Bei der Frage, ob es sich bei den Fotografien selbst um Skulpturen oder um die Dokumentation von Skulpturen beziehungsweise Performances handelt, wird die Sache schon schwieriger. Oft kreiert der Künstler kleine Experimente, die jeder schon mal während einer Schulstunde oder in beschwipstem Zustand angedacht hat. Wurm bedient sich des Materials, das er in seiner unmittelbaren Umgebung vorfindet, und verwandelt Routineaufgaben, etwa das Zusammenlegen von Gewand, in spannungsgeladene Momente. Auch die Besucher seiner Ausstellungen fordert er quasi auf, für ihn zu arbeiten: Eine seiner Gebrauchsanweisungen mit Zeichnung empfiehlt dem Betrachter in der Galerie Krinzinger (bis 12.5.) derzeit, sich beim Ansehen eines Videos eine Kiste auf die Zehen zu stellen. Der sexy Inhalt des Films passt derart schlecht zu den sich bildenden Dellen auf den Füßen, dass man sich schon verarscht fühlen könnte - aber schließlich tut man nach Wurms Konzept nichts anderes als der beim Koitus mit einem Kürbis gezeigte Mann: Man schafft eine Skulptur.

Stress wegen einer Skulptur gab es in der Leopoldstadt, Glockengasse 6: Als Wolfgang Podgorschek einen abgeschlagenen, als "Gutmensch" betitelten Kopf (aus dem Theaterfundus) in eine Vitrine stellte, fühlte sich die Umwelt bedroht und schickte ihm prompt die Polizei ins Haus. Auf Anordnung der Exekutive musste der "böse Blick" verhüllt werden, er trifft jetzt nur mehr zwischen 22 und 23 Uhr nachts die Passanten. Solidaritätsbekundungen sind anlässlich einer Party am 24.4. möglich.


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