Standpunkt: Gründonnerstag

Politik | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Das ist ein Protest dagegen, dass sich eine Partei erdreistet, am Donnerstag Diskussionen abzuführen, statt sich am Widerstand zu beteiligen." Mit dieser Erklärung stürmte die Donnerstagsdemo letzte Woche eine Podiumsdiskussion mit Grünen-Chef Alexander Van der Bellen. Die Wortwahl "erdreistet" ist aber auch ziemlich dreist. Zugegeben, es fördert nicht gerade den Zulauf zur Kundgebung, wenn ausgerechnet Donnerstagabend die Grüne Bildungswerkstätte ins "Depot" und gleichzeitig die SPÖ in die "Zukunftswerkstätte" lädt. Aber es gibt keinen Demo-Zwang. Politische Diskussionen, Ausstellungen oder Partys müssen genauso ihren Platz haben wie politische Aufmärsche. Die Donnerstagsdemonstranten sollen weiterhin durch Wien ziehen dürfen, um ihren Unmut kundzutun. Demonstrationsfreiheit ist eine wichtige Errungenschaft der Demokratie. Es muss aber wohl auch jedem freistehen, sich nicht daran zu beteiligen. Wer zu faul dazu ist oder in den wöchentlichen Demos keinen Sinn mehr sieht, ist noch lange kein Verräter. Und auch nicht der schlechtere Oppositionelle. Wären die acht Grün-Mandatare, die am Donnerstag im "Depot" waren, geschlossen zur Demo marschiert, der nächste Vorwurf wäre ihnen schon sicher gewesen: Die Opposition versuche, die Zivilgesellschaft zu vereinnahmen. E. W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige