Presseschau

Medien | Eva Weissenberger | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Brisante Papiere schaffen die guten Rechercheure vom Format oft herbei. Diese Woche den Endbericht zur Spitzelaffäre, "der Format exklusiv vorliegt". Eh klar. Bravo. Aber auch ein seltsames "Positionspapier" findet seinen Platz in Format, im Gesellschaftsteil: Helmut Frodl, wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, fordert "Psychotherapie für alle Häftlinge" und ein "Leistungsprinzip hinter Gittern: Wer bessere Arbeitsleistungen erbringt, sollte auch eine raschere Chance auf Rückkehr in die freie Gesellschaft haben". Justizminister Böhmdorfer habe ohnehin schon "erkannt, dass Österreichs Häftlinge generell viel zu lange sitzen", glaubt Frodl. Um das Bild abzurunden, darf sich der ehemalige Fernsehmoderator dann noch zu den "Entwicklungen in der freien Gesellschaft" äußern: Jörg Haider werde von den Medien "überbewertet", die FPÖ müsse man "differenzierter betrachten und nicht nur ihr Gefahrenbild sehen", der Bildungsauftrag des ORF "wird vernachlässigt". Zwei Kleinigkeiten fehlen: der Satz "der Frodl-Ott-Plan, der Format exklusiv vorliegt". Und die Autorenzeile. Warum will sich niemand mit dieser Geschichte brüsten?


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