Gottes seltsame Wege

Literatur. Mit 40 erreichte ihn der Ruf Gottes, mit 65 debütierte Eginald Schlattner als Romancier. Dass der Siebenbürger Pfarrer, der in seinem jüngsten Roman "Rote Handschuhe" von seiner Zeit im Gefängnis der Securitate erzählt, auch noch zum Kaiser von Sachsen gekrönt wurde, passt zu seiner bewegten Biografie.

Kultur | Christian Zillner | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Es war ein Loch und das Zeichen der Freiheit. 1989 tauchten in Rumänien Fahnen auf, aus deren Mitte man den roten Stern, das Symbol des Sozialismus, geschnitten hatte. In diesem Loch sollte als letztes kommunistisches Regime Osteuropas auch Ceaucescus Reich verschwinden. Es war eine blutige Revolution, in deren Verlauf der abgesetzte Diktator und seine Frau vor ein Schnellgericht gezerrt und erschossen wurden.

Durch dieses Loch der Freiheit wurde auch ein altes Volk aus der Geschichte gesaugt. Die Siebenbürger Sachsen, seit 800 Jahren in Rumänien ansässig, verließen im Jahr 1990 ihre Heimat und zogen ins gerade wiedervereinigte Deutschland. Einer, der blieb, der 1933 geborene Norbert Eginald Schlattner, erlebte den Auszug als das Ende seines Volkes. Für ihn sollte es ein neuer Anfang werden, seine Geburt als Schriftsteller: Der Abschied von seinen Leuten wurde für Schlattner zur existenziellen Bedrohung, und in seiner Verzweiflung begann er Erinnerungen niederzuschreiben, aus denen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige