Gottes seltsame Wege/Rezension: Kein Klopapier für Genossen

Kultur | Christian Zillner | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Mit seinem neuen Roman "Rote Handschuhe" setzt Eginald Schlattner die Geschichte seines "verschwundenen" Volks der Siebenbürger Sachsen fort. Nach den nationalsozialistischen Dreißiger- und Vierzigerjahren, die sein Debüt "Der geköpfte Hahn" beschreibt, sind nun die sozialistischen Fünfzigerjahre dran. Kernstück des Buchs bildet die Konfrontation des Ich-Erzählers mit der rumänischen Securitate. Eines Tages wird er aus seiner Universität weggeholt - von Männern in "teuren Romarta-Schuhen", an denen man Mitglieder der Securitate erkennen kann. In nächtlichen Verhören bringen ihn die Geheimpolizisten dazu, harmlose Dinge zu erzählen, um ihm dann die "eigentliche" Bedeutung seiner Worte darzulegen: ",Zum Beispiel ist das Kindermädchen unter dem Tor ausgerutscht und hingefallen. Ich aber habe nachher im Betonboden ein Loch bemerkt und gedacht: ,Sieh an, die Veronika hat in den Boden ein Loch geschlagen.' - ,Aufschlussreich! Schon in der Kindheit falsch gedeutete Kausalzusammenhänge.'


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