Vom Hören beim Sehen

Filmbuch. Der Sammelband "Film und Musik" widmet sich einem sträflich vernachlässigten Thema.

Kultur | Vrääth Öhner | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Obgleich sie so selbstverständlich erscheint, dass man sie vergisst, ist die Filmmusik zweifellos das unwahrscheinlichste Element des Kinos ... Was könnte unwirklicher sein als diese Rhythmen und Melodien, die immer gegenwärtig sind, in der Stadt und auf dem Lande, auf dem Meer und auf der Erde, im Alleinsein wie in der Menge?", schreibt Edgar Morin bereits 1956 in seiner anthropologischen Studie mit dem Titel "Der Mensch und das Kino".

Recht besehen, stellt sich Morins Überlegung als zugleich treffend und symptomatisch heraus: Treffend, weil Filmmusik tatsächlich, obwohl sie auch zu Stummfilmzeiten nur selten gefehlt hat, als unwahrscheinlichstes Element des Kinos in der Auseinandersetzung mit diesem zumeist vergessen wurde; symptomatisch, weil es auch in Morins Studie beim Aufblitzen des Gedankens bleibt, und dieser sich in der Folge dem angestrebten Untersuchungsziel unterordnen muss, die filmischen Wirkungen als Resultate einer Projektionsbereitschaft aufseiten der Zuschauer nachzuweisen.


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