Marionette der Macht

Literatur. In "Das Fest des Ziegenbocks" macht Mario Vargas Llosa einen scheinbaren Opportunisten und unscheinbaren Polit-Pragmatiker zum heimlichen Helden.

Kultur | Leopold Federmair | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Ein Roman hat mich immer in dem Maß fasziniert, in dem er in einer kompakten Geschichte Gewalt, Melodram und Sex verbindet", schrieb Mario Vargas Llosa in seinem großen Essay über Flaubert, eines seiner literarischen Vorbilder. Gewalt gibt es in Llosas neuem Roman an allen Ecken und Enden, erzählt der Peruaner doch die Geschichte der Dominikanischen Republik zur Zeit des "Ziegenbocks", des Diktators Rafael Trujillo, der 1961 nach 30-jähriger Herrschaft einem Attentat zum Opfer fiel.

Mit "Das Fest des Ziegenbocks" reiht sich Vargas Llosa ein in die lateinamerikanische Tradition der Diktatorenromane. Im Unterschied zu Garcia Marquez oder Roa Bastos interessiert ihn aber nicht so sehr die Psychologie der absoluten Macht als deren Mechanismen, die am Ende auch den zerstören, der über sie verfügt. Mit seinem druchdringenden Blick, seiner Ordnungsliebe und einem gewissen Maß an Sadismus (der bei seinen Brüdern und Söhnen viel stärker ausgeprägt ist) erscheint Trujillo als ziemlich


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige