Giftiger Wald, gestörte Welt

Film. Hinter den Genre-Filmen und kommerziellen Serien von Kiyoshi Kurosawa verbergen sich Gesellschaftsparabeln und existenzielle Verunsicherung. Eine Retrospektive bietet erstmals Gelegenheiten, das heterogene Werk des japanischen Regisseurs kennen zu lernen.

Michael Loebenstein und Maya McKechneay | Kultur | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Stellen Sie die Ordnung der Welt wieder her!" Nicht mehr und nicht weniger verlangt ein Geiselnehmer vom Polizeiunterhändler Yabuike (dargestellt vom japanischen Leinwandstar Koji Yakusho) - ein stummer Befehl, der so viel wie nichtssagend auf ein Blatt Papier geschrieben steht. Damit ist der Thrillerplot von "Karuisma/Charisma" (1999) auch schon wieder beendet, bevor er richtig begonnen hat. In diesem Moment zerbricht das Leben des Polizisten, des "Ordnungshüters": Was ist die Ordnung der Welt? Töten oder leben lassen? Die Geiselnahme endet in einem Blutbad; mit der Suspendierung des Polizisten beginnt dagegen ein surrealer Selbstfindungstrip, auf dem sich Yabuike mehr und mehr aus der Zivilisation und ihrem Wertesystem entfernen wird.

Ein anderer Film, der gleiche Hauptdarsteller: "Wer sind Sie?", fragt ein junger Mann im Verhörzimmer den Ermittler Takabe (wiederum Yakusho). Obwohl Takabe antwortet, er sei Polizist, bleibt der Häftling stur bei seiner Frage. Sein Insistieren hat beunruhigende

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