Spielplan

Kultur | W.Kralicek / K.Cerny | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Aktueller Stargast in Robert Quittas Österreichischem Theater ist Ödön von Horvath, an dem der Autor-Regisseur im Anatomiesaal der Akademie der bildenden Künste eine "Autopsie" vornimmt: Der Schriftsteller (Georges Kern) liegt auf einem Sofa und rezitiert gesammelte Binsenweisheiten aus seinen Stücken und resignative Sätze aus seinem Romanfragment "Adieu, Europa", das dem Abend den Titel gibt. Sogar die Aktfotos, die er an die Wand pinnt, stimmen ihn melancholisch - zu genau kennt er die kleinen und großen Tragödien der Mädchen, die da posieren, aus seinen eigenen Fräuleindramen. Fünf Horvath-Fräuleins lässt Quitta auferstehen, von der Liebe schwärmen, ein Operettenglück besingen und wieder abtreten - wie in der "Unbekannten aus der Seine" ist eine anonyme Totenmaske alles, was sie hinterlassen; wie in den "Geschichten aus dem Wiener Wald" spielt die Zither dazu ein süßes Lied vom Tod. Horvaths Greatest Hits? Ja, aber die wahre Qualität von Quitta-Stücken zeigt sich erst, wenn man sich den historischen Hintergrund wegdenkt und schaut, was dann noch übrig bleibt. "Adieu, Europa" wäre dann eine Elegie auf einen lebensmüden Schriftsteller, der an der Welt und den Frauen verzweifelt ist und sich an Zeiten erinnert, als das Schreiben noch geholfen hat. Quittas schönste, beste Inszenierung seit langem.

Das Theater m.b.H. gilt als Entdecker von Stücken aus Osteuropa, und das nicht erst seit dem im Vorjahr initiierten Dramenwettbewerb für Post-Jugoslawien. Drei der Preisträgerstücke werden noch in diesem Jahr zu sehen sein, den Anfang macht "Kritik der reinen Vernunft nach Balkan-Art" von Jelena Markovic, eine Groteske mit Krimielementen um einen Deserteur, der einen weltfremden Professor in immer absurdere Geschichten hineinzieht. Das Theater sammelt zwar Sympathiepunkte für sein Engagement, lässt einen aber ratlos zurück. Das verrätselte Stück wirkt recht altbacken und bleibt vage. Wo die Regie übersetzen müsste, stellt sie es bloß in die Vitrine wie ein exotisches Tier.


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