Streifenweise

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Jean Reno ist cool, jeder mag ihn, obwohl er seit Jahren einen miesen Film nach dem andern macht. Sein aktueller, "Die purpurnen Flüsse" (im Original: "Les rivieres pourpres"), ist sein bislang miesester: eine Art Serial-Nazi-Okkult-Alpin-Thriller, in dem Reno als Kommissar einer Sondereinheit aus Paris eine Reihe grauslicher Morde aufklären muss, die sich an einer in den Bergen gelegenen, auf das Heranzüchten von "Übermenschen" spezialisierten Eliteuniversität ereignet haben. Als bald darauf Vicent Cassel, ein junger Flic vom Lande, Jean Reno bei seinen Ermittlungen in die Quere kommt, scheint das buddy movie fast perfekt - allerdings wird die Geschichte von Minute zu Minute nur abstruser und lässt die Inszenierung von Mathieu Kassovitz von Szene zu Szene mehr an Kompetenz vermissen. "Einen wie Sie haben wir noch nie gebraucht", sagt einer der Gendarmen einmal zu dem Superbullen, aber das gilt auch für den ganzen Film.

So weit, so ärgerlich. Dafür hat das Festival von Cannes seine Liebe zur österreichischen Kinematografie entdeckt und heuer - erstmals in seiner Geschichte - gleich drei Filme, die unterschiedlicher kaum sein könnten, zur Teilnahme ausgewählt. Abgesehen von Michael Hanekes prestigeträchtiger Koproduktion "Die Klavierspielerin", die für den Wettbewerb nominiert ist, werden dort auch die neuen Arbeiten zweier junger heimischer Filmemacherinnen gezeigt: "Lovely Rita", das Kinodebüt von Jessica Hausner, sowie der Kurzfilm "Null Defizit" von Ruth Mader, in dem die Regisseurin - ganz einfach, sehr intelligent - gegen Sparpakete und Sozialabbau polemisiert. (In Wien freilich werden alle drei Filme erst im Herbst zu sehen sein.)


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