Kunst Kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 17/01 vom 25.04.2001

Die Museen aus ihren Burgen zu locken, sich außerhalb ihrer Befestigungen auf nur 30 Quadratmeter Fläche darzustellen und Exponate zu präsentieren, die bisher noch nie oder nur selten gezeigt wurden: keine leichte Aufgabe. Für sein Projekt "Unternehmen Capricorn" konnte der Künstler Christoph Steinbrener zehn Bundesmuseen überreden, am 2. Mai (bis 30. Juni) Dependancen ihrer Häuser in leer stehenden Geschäftslokalen rund um den Karmelitermarkt in Wien 2 zu eröffnen. Dabei soll es einerseits um eine Bestandsaufnahme der Institutionen sowie eine Diskussion ihrer Funktion und Möglichkeiten nach der Vollrechtsfähigkeit gehen. Andererseits handelt es sich bei "Unternehmen Capricorn" um ein Kunstprojekt, das bewusst auf museale Präsentationsformen verzichtet und andere Aspekte (z.B. skulpturale Qualitäten) der Exponate in den Vordergrund stellt. Das Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig etwa holt den Pseudo-Gedächtnisraum "Komponisten-Sterbezimmer" des Belgiers Guillaume Bijl aus dem Lager, eine Installation, die gerade die Art und Weise parodiert, wie in unserer Gesellschaft mit Kunst und Kultur umgegangen wird. Besseres Kennenlernen der Leopoldstadt als noch wenig verkitschtem Wiener Stadtteil gehört genauso zur Veranstaltung wie ein feines Film- und Konzertprogramm und das von fuchs-eckermann konzipierte interaktive Wissensspiel "Expositur" (www.t0.or.at/capricorn).

Am 1. Mai startet ab zehn Uhr (zeitgleich mit Prag, Brüssel, München, Warschau, Osnabrück und London) zwischen den Reiterstatuen am Heldenplatz eine weitere Serie von "permanent breakfast". Seit 1996 werden nach dem Schneeballprinzip öffentliche Plätze befrühstückt. Die genauen Spielregeln sind unter www.p-breakfast.net nachzulesen.


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