Vor 20 Jahren im Falter

... während in Berlin und anderen Großstädten schon ganze Straßen in Besetzerhand waren, wurde in Wien am 1. Mai das erste Haus besetzt und noch am selben Tag geräumt.

Vorwort | aus FALTER 18/01 vom 02.05.2001

Ohne Gewalt hatten 13 Leute das Haus Windmühlgasse Nr. 24 im 6. Bezirk in Besitz genommen, indem sie es einfach betraten. Man hatte ihnen zuvor keinerlei andere Wohnungen angeboten.

Dies war am Vormittag des 1. Mai um 10.30 Uhr geschehen. Die Hausbesetzer begannen sofort, die Wohnung zu putzen und die Fenster mit mitgebrachten Farben rot und blau zu streichen. Gleichzeitig wurden auf den Maikundgebungen Flugblätter mit folgendem Text verteilt: "6., Windmühlgasse 24. Wir haben heute, am 1. Mai, instandbesetzt. Wir brauchen eure Unterstützung!!! Kommt sofort!!"

Darauf tauchten als erste Unterstützung 20 Mitglieder der Alarmabteilung der Wiener Polizei auf und riegelten die Eingänge ab. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 13 Besetzer im Haus.

Im Lauf des Tages sammelten sich ca. 300 Leute in der Windmühlgasse, um ihre Solidarität mit den Besetzern zum Ausdruck zu bringen. Um 15 Uhr erschien ein Vertreter der Baufirma Illbau, der Besitzerin des Hauses, verweigerte Verhandlungen mit den Besetzern und gab der Polizei die Vollmacht zur Räumung. Die Besetzer/innen wussten, was sie wollten: Mietverträge mit "angemessenen Mieten" und, als Kampfform, falls es zu Auseinandersetzungen kommen sollte, passiven Widerstand.

Die Leute draußen hingegen wussten nicht recht, mit welchen Mitteln sie die Besetzer und deren Forderungen unterstützen sollten. Als aber gegen 18.00 Uhr stärkerer Nieselregen einsetzte, zerstreuten sich die Leute und begaben sich in wärmende Lokale.

Mittlerweile wurde von der Polizei die Räumung vorbereitet.

Insgesamt betrug die Zahl der Verhafteten 51. Die meisten wurden nach einigen Stunden wieder freigelassen.


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