Das Klo als freier Markt

Literatur. Der Schriftsteller Warwick Collins war Berater von Margaret Thatcher und Yachten-Designer. Der "Falter" traf Collins in London, um mit ihm über seinen jüngsten Roman "Herren" zu sprechen, in dem jamaikanische Kloputzer sich gegen das Treiben schwuler Kunden empören.

Kultur | Udo Taubitz | aus FALTER 18/01 vom 02.05.2001

Fast alle Bücher kann man auf dem Klo lesen. Manche Bücher möchte man am liebsten ins Klo stopfen. Aber nur ganz wenige Bücher haben ein Klo zum Schauplatz. "Herren" von Warwick Collins spielt zwischen Urinalen und Klosettschüsseln in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt in London. Auf die Frage "Warum ausgerechnet ein Klo?" hat der Autor, verständnisvoll lächelnd, die Antwort sofort parat: "Man denkt normalerweise: Dort sind alle Menschen gleich. Tatsächlich aber sind Herrentoiletten enorm dramatische Orte voll unterdrückter Spannung, an denen man jeden Blickkontakt meidet."

Die Helden der Großstadtlatrine in Collins' Roman sind drei Jamaikaner, beständig im Kampf gegen Urinstein und noch schlimmere Übel. Denn die Lokalität ist beliebt bei Klappengängern: Männer, die es mit anderen Männern ganz auf die Schnelle in den Kabinen treiben. Und weil das erstens ungesetzlich und zweitens - so finden zumindest die Aufseher des Etablissements - widerlich ist, soll der Sumpf trockengelegt


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